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Vergilbtes Dokument

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Vergilbtes Dokument

(Ein vergilbtes Dokument, dessen Papier aufgrund der extremen Trockenheit bereits brüchig geworden ist. Darauf steht in einer kalten, harten und sonderbar ausdruckslosen Handschrift geschrieben ...) Ich mag Larisa nicht. Obwohl sie dieselbe meisterhafte Fähigkeit wie ich besitzt, das Ureis zu formen. Obwohl sie in den Kursen über Riten und Etikette stets glänzendere Ergebnisse erzielte als ich und selbst vom vormaligen Fürsten – dem strengsten von allen – mit höchstem Lob bedacht wurde. Obwohl ... viele meiner Artgenossen sie ins Herz geschlossen haben und in ihr die Verkörperung all dessen sehen, was man sich unter einer Snegurochka vorstellt. Sie ist die snegurochkahafteste unter allen Snegovik, so vollkommen und fehlerfrei. Und doch mag ich Larisa nicht. ... Die Liebe der Snegoviki ist Aufopferung, ein aktiver Akt des Austausches. Man öffnet seine Brust, entnimmt ihr das Eigene und erwartet sodann, dass die geliebte Person ihr Eigenes darbringt. Doch Larisa, deine sorgsam gepflegte Kunst, das Ureis zu formen, dein anmutiges Auftreten, deine sanftmütigen Worte ... Soll all dies wahrhaftig nur existieren, um „dargebracht“ zu werden? Wo bleibst du selbst in deinem täglichen Leben, in all den Momenten des Verfeinerns deiner Kunst oder der Pflege der Blumen? Ich habe Larisa einst danach gefragt. Doch Larisa zeigte sich ob dieser Frage keineswegs verletzt; sie blickte mich nur mit einem vielschichtigen, fast traurigen Blick an und sprach: „Dein Herz ist verschlossen, Pawlina. Auf Erden zu weilen und niemanden zu lieben, ist das größte Unglück, das einem widerfahren kann.“ Sollte man für den Geliebten etwa wirklich all sein Eigenes opfern? Wenn dem so ist, zöge ich es vor, mich niemals zu verlieben. Ihre selbst im Angesicht meines Zweifels stets sanften Worte und jener melancholische Blick machten mich einfach nur zornig. Ich mag Larisa wahrlich nicht. ... „Wer die Snegovik führt, muss eine makellose Seele besitzen.“ Dies ist das Vermächtnis, das unsere Ahnin Morewna uns hinterlassen hat. Und es gibt nur einen einzigen Weg, auf dem ein Snegoviki eine makellose Seele erlangen kann: Sie muss die wahre Liebe finden. Larisa führte ihren auserwählten Geliebten nach Hesperides. An seiner Seite zeigte sie ein freudiges Entzücken, wie man es an ihr noch nie zuvor wahrgenommen hatte. Empfand sie in jener Stunde wahrlich Freude? War ihr jetziger Entschluss, einen „Geliebten zu wählen“, nur eine unumgängliche Pflicht, um Fürstin zu werden ... ... oder entsprang es wahrhaftig ihrem eigenen Herzen? Viele unserer Artgenossen rühmten den Mann an ihrer Seite als einen ansehnlichen Menschen und hielten ihn für eine überaus standesgemäße Partie für Larisa. Mir jedoch erschien dieser Mann hässlich und ungehobelt, sein Benehmen vulgär und Larisa in keiner Weise würdig. Ihn und Larisa beieinander zu sehen, rief in mir nichts als Überdruss und Abscheu hervor. Larisa scheint wahrlich keinen erlesenen Geschmack zu besitzen. Ich hegte schon immer eine Abneigung gegen jene, deren Geschmack zu wünschen übrig lässt. Deshalb mag ich Larisa nicht. ... Diesem Mann gebührte es, dass die Klingen aus Frost und Wind sein Fleisch und Blut in Fetzen reißen! Wie konnte er es nur wagen, im wichtigsten aller Rituale einen Rückzieher zu machen! Larisa hat für dieses Ritual ihr Leben gegeben. Ist ihm das etwa nicht bewusst?! Wie konnte er nur mitten im Ritual fliehen? Dieser Feigling, dieses ehrlose Stück Mensch, diese Ratte, dieser Dieb! Larisa, die keine Antwort gibt, die unausstehliche Larisa, die Larisa mit dem erbärmlichen Geschmack ... geschieht dir recht! Doch Larisa, Larisa ... Kanntest du solche Augenblicke des Zorns und des Schmerzes? Die Wolken verharren für dich, und selbst der grollende Donner wird von jenem Herzen gefangen, das alles ungeschehen machen will ... Wenn diese Larissa dein wahres Ich war, warum bist du dann nicht schon viel früher gegen diese absurden Regeln aufbegehrt? Warum bist du nicht gegen diese heuchlerische „Liebe“ aufbegehrt, die zur Aufopferung zwingt? Warum bist du nicht gegen mich aufbegehrt, die dich hinterfragte? Warum wurde dein Körper so zerbrechlich, als ich durch den stürmischen Schnee auf dich zueilte? Warum verflogen das Lächeln und die Freude, die einst dein Antlitz erfüllten, warum verflog all dein Sein in so kurzer Zeit gleich einer Träne im eisigen Wind und wurde zu Schneegestöber ... ... und war bei der Berührung meines Gesichts nicht einmal kälter als ein eisiger Regentropfen? ... Später wurde ich zum Fürsten der Snegovik. Wie seltsam, oder? Sollte ein Snegovik, der andere Snegovik anführt, nicht eine makellose Seele besitzen? Die uralte Snegurochka, die in unserem Volk höchstes Ansehen genoss und das Ritual vollzog, blickte mich tief an und sprach: „Gelegentlich ereignet sich so etwas.“ Was soll das bedeuten: „Gelegentlich ereignet sich so etwas“? Lässt sich dieser Fürstenthron etwa auch ohne die wahre Liebe erben? Dann entbehrt Larisas Opfer ja jeglicher Vernunft! Wie lange noch soll unser Volk an diese absurden Gesetze geknechtet sein ... Ich muss ... ich muss einen Weg finden, all dem ein Ende zu bereiten, um meine Artgenossen zu erlösen, die von dieser widersinnigen „Liebe“ gefesselt sind. Für ... Larisa, die ich wahrlich nicht mag.