Briefe an den Detektiv
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Briefe an den Detektiv
Ein Stapel Briefe, den die Assistentin des Detektivs sorgfältig geordnet hat. Jeder Umschlag ist mit Poststempeln von wiederholtem Nachsenden übersät. An den Unsterblichen Detektiv: Grüße von der Ökologischen Insel Moria. Wir bemühen uns, atemberaubende Naturlandschaften und ein idyllisches Klima zu schaffen, um unseren Kunden sorgfältig geplante und fürsorgliche Erholungsdienste zu bieten. Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass das hinterlegte Konto nicht über ausreichende Mittel verfügt, um die Servicegebühren für den kommenden Zyklus für den Gast in Ihrer Obhut zu decken. Bitte senden Sie innerhalb eines standardisierten Monats einen Scheck an den angegebenen Ort. Andernfalls sehen wir uns gezwungen, sämtliche Zusatzleistungen auszusetzen. Dazu zählen frische Bananen, Regenwald-Steingärten und beheizte Bäder. Falls Sie bereits eine Zahlung geleistet haben, betrachten Sie dieses Schreiben bitte als gegenstandslos. Vielen Dank für Ihr Verständnis und Unterstützung. ... Alter Mann, du bist danach nie nach Kronstadt zurückgekehrt, oder? Ich erinnere mich, dass du einmal deine Heimat erwähnt hast. Du sagtest, sie sei stets von düsteren Wolken verhüllt. Du sagtest, jeder Schritt in den Gassen sei von Blut getränkt gewesen und in der verdorrten, geschwärzten Wildnis hätten ständig pelztragende Bestien geheult. Ich bin vor Kurzem durch diese Gegend gekommen, und rate mal? Eine Gruppe Flüchtender hat sich dort niedergelassen, um neu anzufangen. Sie haben die Dornengebüsche gerodet, die alten Kirchen niedergerissen und aus den Trümmern Gärten geschaffen. Bald werden sie vergessen haben, dass dies einst die blutige Höhle war, in der Zulo seine Diener heranzog. Sie werden den letzten Jäger vergessen, der jedes Monster zur Strecke brachte. Sie werden sogar den Beinamen „Schwarze Kirche“ vergessen. Als die Nacht hereinbrach, sah ich zu, wie sich der Rauch ihrer Kochfeuer verzog. Die Kerzenlichter in ihren Zelten flackerten eins nach dem anderen auf. Sie waren hell und doch zerbrechlich. Ein einziger unbedeutender Sturm im Kosmos könnte diese Lichter auslöschen. Ich habe vor, zu bleiben. Vielleicht nur für eine Weile. Sei mir nicht böse, dass ich diese Entscheidung allein getroffen habe, Alter Mann. Keiner von uns beiden hat noch ein Zuhause, aber sie schon. ... An meinen liebsten Stammkunden: Herr La Mancha, es ist schon eine Weile her, doch dein Name fällt in dieser Lounge noch immer häufig. Die Hälfte der Leute, die über dich reden, will dich finden, und die Hälfte derer, die nach dir suchen, will dich tot sehen. Deine Bewunderer nennen dich den obersten Jäger, den einsamen Leitwolf, dessen Zähne einst die Brust eines Verwüsterfürsten zerfetzten. Deine Verleumder nennen dich ein sippenmordendes Monster, das die Galaxieranger aus persönlicher Rachsucht in den Abgrund zerrte und dann verschwand. Vor Jahren zeigte mir ein Galaxieranger, der Vonwacq überlebt hatte, seine vernarbten Arme und schwor, die Rechnung zu begleichen. Ich kenne dieses Gefühl – schließlich schuldest du mir noch immer deine offene Zeche. Noch früher standen Wolkenritter vor meiner Tür und behaupteten, du seist in den Kerker der Ketten eingebrochen und hättest jemanden herausgeholt. Keine schlechte Leistung, wenn man bedenkt, dass du eigentlich die Meisterhandwerker von Zhuming besuchen solltest. Du hast wirklich ein Talent dafür, an den dunkelsten Orten Ärger zu finden. In letzter Zeit heißt es, die „Einäugige Eule“ habe deine Fährte aufgenommen. Sie spürte die Brüder auf, für die du in Moria gesorgt hast, und nahm ihnen die Augen, in der Hoffnung, deinen Aufenthaltsort durch sie sehen zu können. Ich habe einen Prothesendoktor gefunden, der sie behandelt, aber diese Frau spielt schmutzig. In deinen Glanzzeiten hast du dir wirklich eine Menge Feinde gemacht. Ich will darüber nicht urteilen, aber wenn dir gleichzeitig beide oberste Jäger der Galaxieranger auf den Fersen sind, ist das eine ganz besondere Art von Leichtsinn. Ich sage „beide“, weil erst gestern ein paar Rekruten, die dem „Herzlosen Bären“ folgen, versucht haben, mich wegen Informationen unter Druck zu setzen. Sie wollten ihren Boss rächen. Sie behaupten, du hättest die Archive von Dr. Primitiv verkauft, das Relikt der Navigatorin Isee gestohlen und würdest jetzt auf einem Planeten des Interastralen Friedensentertainments in Saus und Braus leben. Diese naiven Kinder glauben tatsächlich, sie könnten dir einen Anteil an der Beute abpressen. Hier ist ein junger Cowboy mit ruhiger Hand, der ihnen etwas Anstand beigebracht hat, aber er ist ein miserabler Lügner. Er weiß, wo du bist, nicht wahr? Ich vertraue ihm an, diesen Brief zu überbringen. Um es kurz zu machen: Pass auf dich auf. Und wage es ja nicht zu sterben, bevor du deine Zeche bezahlt hast. Eine hektisch hingekritzelte Notiz am Rand: Herr E, halte in den nächsten Tagen Türen und Fenster verschlossen.
