Geschichten eines Mimen (Band 8)
Content
Geschichten eines Mimen (Band 8)
Eine Geschichtensammlung, die von der Truppe verwendet wird, um Skriptmaterial und kreative Inspiration zu sammeln, und die mit Unterstützung der Interastralen Friedenskorporation veröffentlicht wurde. Dies ist der achte Band der Ausgabe aus dem Jahr 2156 BZ, der Geschichten aufzeichnet, die von der Truppe auf verschiedene Weise gesammelt wurden, während sie ihrer ständig abwesenden Truppenleiterin auf der Spur war. Piratengesellschaft Unter dem Deckmantel der Method-Acting-Forschung floh die Truppenleiterin einst zu einer Besatzung interstellarer Piraten. Als der Piratenkönig auf dem Weg zur Toilette falsch abbog und ins Vakuum des Weltalls hinaustrat, war sie bereits zur zweiten Befehlshaberin der Besatzung aufgestiegen. Auf ihren Vorschlag hin gründeten sie ein Piratenunternehmen, das auf Film-Raubkopien aufbaute, massenhaft Low-Budget-Schund produzierte und einen überraschend stattlichen Gewinn machte. Selbst eine Piratenbande dieser Größe konnte das absolut katastrophale Finanzmanagement der Truppenleiterin nicht überstehen. Gut, dass sich viele dieser Piraten am Ende als ziemlich solide Mimen entpuppt haben. — Adelante, Mitarbeiter der IFK, ehemaliger Pirat Papierfigurentheater Eines Tages tauchte in einer abgelegenen Stadt am Rande von Khorgahar eine Bettlerin auf. Eine vorbeikommende alte Frau hatte Mitleid mit ihr, nahm sie mit nach Hause und drückte der Bettlerin ihre letzte Tüte Kekse in die Hände. Als Dank lieh sich die Bettlerin eine Rolle Altpapier und schnitt daraus Reihen menschlicher Silhouetten, eine Szene aus der Erinnerung der alten Frau: ihr Kind, das von zu Hause fortgegangen und mit den anderen in den südlichen Bergen verschwunden war. In jener Nacht ereignete sich am Himmel ein Schauspiel. Verängstigt von den am Himmel treibenden Papierfiguren befahl der Statthalter des Reiches seinen Soldaten, sie zu verbrennen, ohne zu ahnen, dass er dabei eine Prozession übersehen hatte, die sich auf den Weg zur Stadt machte, wo ein Kind kurz davor stand, wieder mit seiner Mutter vereint zu werden. — Annisa, Mutter der modernen Bildung in der Khorgahar-Föderation Wettlauf mit dem Hund Nachdem sich ein Skript um volle zwanzig Jahre verzögert hatte, legten die Truppenmitglieder, die nun wirklich genug erduldet hatten, die Einnahmen aus neun Vorstellungen zusammen, um einen Superdistanz-Bluthund von Wen-II anzuheuern, der die Truppenleiterin jagen sollte. Aber in dem Moment, als sie durch die Tür trat, spürte die Truppenleiterin, dass etwas nicht stimmte. Sie nahm Reißaus, sprang in eine Gondel und raste mit Vollgas direkt in den Merlo-Nebel. Der Superdistanz-Bluthund beschleunigt synchron zu seinen Zielen, sobald er sie erfasst hat, was bedeutete, dass die Truppenleiterin keine Möglichkeit hatte, ihn abzuschütteln. Also verstreute sie auf ihrem gesamten Weg Süßigkeiten. Der verfressene Hund konnte nur abwechselnd die Verfolgung aufnehmen und anhalten, um Süßigkeiten zu verschlingen, bis er sich derart vollgefressen hatte, dass er völlig aufgebläht nur noch watscheln und nicht mehr mithalten konnte. Die Truppenleiterin verließ den Merlo-Nebel in bester Laune, nur um beim Verlassen des Schiffs festzustellen, dass ihr ein weiterer Hund den Weg versperrte. Jep, die Truppe hatte zwei Bluthunde angeheuert. — Beitrag des Zuchtzentrums für Wen-II-Bluthunde Der Tiefenkriecher und die Lupe Die Truppenleiterin hat im ganzen Universum allerlei tierische Freunde gefunden. Einst kletterte sie, um einen Tiefenkriecher aus dem Zuhause eines Peinigungsadlers zu vertreiben, auf den Rücken des Adlers und schleuderte dem kolossalen ungebetenen Gast, durchnässt vom Diamantenregen, Vorwürfe entgegen. Der Tiefenkriecher hatte jedoch nicht vor, sein natürliches Diamantenbad aufzugeben. Er war riesig, und diejenige, die das ganze Geschrei veranstaltete, war winzig. Die Truppenleiterin war außer sich vor Wut. Sie griff in ihre Tasche und holte eine Lupe heraus, die einen Schatten über den Sternenhimmel warf. Als der Tiefenkriecher einen Riesen vor sich sah, stürmte er ohne Zögern los, schlug jedoch nur ins Leere. Die Truppenleiterin drehte die Lupe auf die andere Seite und bündelte das zwischen den Diamanten schimmernde Licht zu einem einzigen lodernden Punkt, der den Tiefenkriecher genau am Hinterteil versengte. Zu Tode erschrocken ergriff dieser blitzschnell die Flucht und wurde auf diesem Stern nie wieder gesehen. — Ein vorbeiziehendes Sparschwein und ein Weltraummungo Vermisstenanzeige Ich sage es als Erster: Die Truppenleiterin ist mit Abstand das unzuverlässigste empfindungsfähige Wesen, dem ich je begegnet bin. Es gab Momente, in denen ich mich ernsthaft gefragt habe, ob sie einfach eine verkleidete Maskierte Närrin war. Und doch kann ich es nicht leugnen: Auch wenn es ihr an roher Kraft fehlen mag, ist sie zweifellos die größte Trauernde Mimin, die je gelebt hat. Ich war Zeuge, wie sie einen erwachten Titanen mit nichts als einer Gutenachtgeschichte wieder in den Schlaf wiegte. Ich sah zu, wie sie Frieden zwischen drei Welten vermittelte, die eine tausendjährige Blutrache gegeneinander gehegt hatten. Ihre Zaubertricks ließen die Sterne am Nachthimmel einmal in Gelächter ausbrechen, und nein, das ist keine Redewendung. Sie wob auch einmal ein Papierschiff aus einer Geschichte und segelte uns aus dem Meer der Vergessenheit heraus, einem Ort ohne Wiederkehr. Wie auch immer, was ich sagen will, ist ganz einfach. Ich weiß, dass du das liest, also vergiss nicht: Du schuldest uns immer noch ein Skript. Eine Geschichte, die mächtig genug ist, um die Welt zu verändern. Und ich habe immer daran geglaubt, dass du es zurückbringen wirst. — Jerica, Hauptstar der Truppe
